Die Medizin im modernen China

Als ein „Überbleibsel der feudalen Zeit“ wurde die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in der nunmehr von westlichen Ideologien regierten Republik China im Jahre 1929 beinahe ausgelöscht. Nur grosser Protest vom Volk und von den praktizierenden Ärzten rettete die TCM vor einem formellen Verbot. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahre 1949 erfuhr sie dann eine vielleicht etwas zwiespältige Wiederbelebung. Die TCM sollte als chinesisches Eigenwerk „erforscht und verbessert werden“, fand Mao Ze-dong. In den frühen fünfziger Jahren wurden somit Universitäten mit standardisierten Programmen gegründet. Diese wurden von den besten und meist erfahrenen chinesischen Ärzten dieser Zeit angeführt und alle noch im alten „Meister-Schüler Verfahren“ traditionell ausgebildet. Im Jahre 1958/59 begann der „grosser Sprung“ und Mao Ze-dong setzte sich zum Ziel, die „Alte Medizin“ zu modernisieren und mit der westlichen Medizin zu ergänzen. Dies führte unweigerlich zu einer Veränderung der traditionellen Medizin.

1966 begann die schreckliche Zeit der proletarischen Kulturrevolution. Alle Schulen wurden geschlossen und die noch vor kurzem anerkannten traditionellen Mediziner wurden zur Arbeit aufs Land geschickt. Aberglauben und Feudalismus sollten aus der Gesellschaft und somit auch aus der institutionalisierten „Alten Medizin“ geschafft werden und für immer verschwinden. Viele der berühmten und besten Ärzte dieser Zeit erlagen der harten körperlichen Landarbeit. Weil aber Akupunktur eine äusserst nützliche Therapieform für die Massen war und weil sich mit dem Irrsinn der Kulturrevolution schnell eine Gesundheitskrise anbahnte, wurden junge, dem Kommunismus treue Männer und Frauen, in 3-monatigen Akupunkturkursen ausgebildet und im Land verteilt, um in ländlichen Regionen einen Teil der medizinischen Versorgung auszuführen. Diese wurden „Barfuss-Ärzte“ genannt. Nach der Kulturrevolution in den siebziger Jahren begann sich die Lage wieder langsam zu stabilisieren: Universitäten wurden wieder eröffnet, Textbücher wurden verfasst und Standardausbildungen definiert, natürlich alles von der politischen Partei überwacht und deshalb sicherlich nicht immer im Interesse der Medizin. In den 80er Jahren wurde die „Drei Pfade Politik“ eingeschlagen, welche die traditionelle und westliche Medizin und deren Kombination als drei eigene medizinische Systeme parallel entwickeln liess und lässt.

Im modernen China ist die TCM stark mit der Westlichen Medizin verbunden, stärker als dies im Westen der Fall ist. Obwohl es eigene Spitäler für Chinesische Medizin und für westliche Medizin gibt, beinhaltet das institutionalisierte Studium der TCM auch westliche Medizin und alle Ärzte für Chinesische Medizin können westliche Medikamente verschreiben.

In China praktizieren mehr als 90% der Ärzte für Chinesische Medizin Arzneimitteltherapie. Das Wort für Chinesische Medizin Zhong Yi bedeutet Chinesische Kräutermedizin (nicht Akupunktur!).

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 16. Mai 2011 um 17:40 Uhr
 
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